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Gabriel Studerus & Julia Geröcs: Wie kommt man zur Kunst.

2018

Ausstellungsansicht, «Auswahl17», Aargauer Kunsthaus; Video: 12.50 Min., Farbe, stereo; Tonei in Haubenvitrine; Zeitdokumente: Fotografien, Interview mit Hermann Haller, Postkarten aus dem Jahr 1939

Die Installation «Wie kommt man zur Kunst» ist ursprünglich auf die Anfrage des Ateliers Hermann Haller als Beitrag zur temporären Gruppenausstellung «Bewegte Körper» entstanden. Im Atelier sind die Skulpturen des bekannten Schweizer Bildhauers bis heute in ihrer ursprünglichen Umgebung zu betrachten. Durch ein Video sowie fiktive und tatsächliche Zeitdokumente inszeniert die Installation eine historische Ausstellung. Das Video – im Kleide eines 8mm-Films – bildet das Kernstück der Installation, in der die fiktive Journalistin Doris Borngräber mit Hermann Haller in einen persönlichen Dialog tritt. Eine Auseinandersetzung wird zwischen dem romantischen, in sich geschlossene Welt- und Frauenbild des Bildhauers und dem offenen, emanzipierten Lebensbegriff einer jungen Frau und werdenden Mutter vor Augen geführt. Hallers Ideal des Schönen und Heilen prallt auf Borngräbers Vorstellung, dass auch das Widersprüchliche, Komplexe und Hässliche des Lebens in der Kunst seinen Platz haben muss. Dabei geht es immer auch um die Frage, welche Rolle Kunst in der Gesellschaft spielt und wie sich KünstlerInnen positionieren.

Die Darstellung von Hallers Persönlichkeit gründet auf einem in der NZZ im Jahr 1950 veröffentlichten Essay des Bildhauers. Dennoch ist sie eine Interpretation von Hallers Gedankenwelt und wird als Prototyp eines Künstlerbildes verwendet, welches einen Diskurs über den Drang nach Verewigung, über das Verhältnis zum weiblichen Geschlecht als Sinnbild des Schönen und der Schöpfung sowie über die Funktion der Kunst in der Gesellschaft möglich macht. Die fiktiven und tatsächlichen Dokumente dienen dazu, die erschaffene Realität und ihre Glaubwürdigkeit zu stärken und das Kernstück der Installation, das Video, thematisch wie historisch einzubetten.

 

 

 

Künstlerkollektiv «babelnabel» in der Villa Renata Basel

2018

Künstlerkollektiv «babelnabel»

Künstler_innen von links nach rechts: Gabriel Studerus, Bernardo Gamboa, Julia Geröcs, Ricardo Zárraga, Meraqui Pradis, Romina Coccio, Myrien Barth, Timo Schaub

Zwei Kulturen und Identitäten begegnen sich. Acht Kunstschaffende aus Mexiko und der Schweiz treffen aufeinander und suchen den Weg aus der «babelischen» Sprachverwirrung hin zu einer gemeinsamen Sprache, um der eigenen Identität und kulturellen Prägung auf den Bauchnabel zu fühlen. Das schweizerisch-mexikanische Künstlerkollektiv «babelnabel» arbeitet seit Ende 2016 in monatlichen Skype Sessions zusammen. Für jeweils drei Stunden wird diskutiert, zugehört, übersetzt und spielerisch nach den kulturellen Unterschieden geforscht. 

Ausgehend dieser Recherche wurde in April 2018 in der Villa Renata Basel eine interdisziplinäre Aufführung erarbeitet, die die kuturellen Grenzen überschreitet und die Sparten Theater, Film, Bildende Kunst und Performance einbezieht. «Gemeinsam mit den acht KünstlerInnen aus Mexiko und aus der Schweiz begeben sich die Zuschauenden auf eine poetische Reise durch das alte Haus und mithin durch verschiedene Gemütsverfassungen. Wir sind alle gleich, wenn es um so Banales wie Tod und Trauer, Kuhglocken und Dancefloors, Nähe und Distanz geht. Und um Ruhe und Ordnung. Oder doch nicht? Und was ist mit den ganzen Klischees, die uns dirigieren? Die Performance als Geste wird erweitert durch zusätzliche Projektionsebenen, die uns auf die Chancen, Gefahren und Mühen verschiedener Übersetzungsversuche hinweisen wollen.» (Franziska Preisig Stern, Kuratorin Villa Renata)

Julia Geröcs: True Love

2017

45 min

Museum Haus Konstruktiv, 2017, Zürich (Foto: Eliane Rutishauser)

In der Performance True Love wird das gesellschaftliche Ideal der wahren Liebe im Zusammenhang mit der Popkultur untersucht. Einen thematischen Fokus bildet dabei die Frage, wie idealisierte und in der Popmusik repräsentierte Frauenrollen in reellen Beziehungen umgesetzt werden. Den Kern der Handlung bildet der Dialog von zwei Freundinnen, die auf die vergangenen zwanzig Jahre ihres Lebens zurückblicken und ihre bisherigen Paarbeziehungen im Spiegel der anderen reflektieren. Es werden zwei verschiedene Konzepte über die Liebe ausgetauscht, zwei Schicksale vor Augen geführt und verhandelt. 

Das Skript setzt sich aus Erinnerungsbruchstücken, Dialogen, wissenschaftlichen Forschungsbeiträgen und aus Popmusik-Zitaten zusammen. Entsprechend den verschiedenen Textformen werden in der Performance unterschiedeliche Rollen angedeutet und durch eine Performerin - durch mich - repräsentiert.  Das prägendste visuelle Element der Performance bildet ein langer pink-blauer Textilstreifen, der an seinen beiden Enden die Form von zwei, auf Kleiderbügeln aufgehängten, identischen Frauenkleidern annimmt. Durch die Choreographie mit dem Requisit wird ein mimetischer Bezug zu den beschriebenen Personen, Orten und Handlungen hergestellt. 

Julia Geröcs

info@juliageroecs.com

Design | Matyas Geröcs