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Gabriel Studerus & Julia Geröcs: du woher

2019

Ausstellungsansicht «Auf der Suche – nach Zürich», Helmhaus, Zürich; Beteiligte: Manel Salas (Choreographie & Performance), Nello Novela (Musik & Sound)

Drei Tänzer, zwei Musiker – eine Erzählerin. Wachgerufene Erinnerungen an Begegnungen im Nachtzug zwischen Zürich und Budapest. Ein Aufbegehren gegen die eigene Benachteiligung vermischt sich mit unreflektierter Fremdenfeindlichkeit. In der Zweikanal–Videoinstallation (24’27’’, Farbe, Stereo) werden berührende und zugleich befremdende Begegnungen einer emigrierten Ungarin mit anderen Osteuropäer_innen erzählt. Im Nachtzug begegnet sie Menschen, die für eine besser bezahlte Arbeit ins nahe Ausland fahren und auf diese Weise der wirtschaftlichen Benachteiligung im Heimatland entfliehen. Sie trifft auf willensstarke Menschen, die die Suche nach besseren Perspektiven für sich und ihre Familie antreibt, jedoch auch auf Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit und fehlende Empathie für die sozial Schwächeren und Benachteiligten. Sie erlebt, dass es in einer Gesellschaft immer ein nächstschwächeres Glied gibt, durch das sich Ungleichheit, Abgrenzung und Hierarchie herstellen lassen. Es wird sichtbar, dass das Fremde, wer Migrant_in ist und wer nicht, wer zur Minderheit gehört und wer nicht, immer eine Frage der Perspektive ist. Bei der Inszenierung der Erzählung gehen Choreographie, Sprache, Geräusche und melodische Fragmente fliessend ineinander über. Die Arbeit wurde erstmal Ende 2019 im Helmhaus Zürich im Rahmen der Doppel -Ausstellung «Auf der Suche – nach Zürich» auf zwei grossformatigen Leinwänden präsentiert.

Julia Geröcs: Protest

2019

17 min

Museum Haus Konstruktiv, Zürich; Performance: Roger Bonjour (Video: Gabriel Studerus)

Die Arbeit «Protest» geht aus einer Auseinandersetzung mit gängigen, durch unsere westliche Wohlstandsgesellschaft verinnerlichten Ideologien hervor, die eine direkte Auswirkung auf unsere Lebensführung und unser Sozialverhalten haben. Die Arbeit thematisiert den Drang nach Fortschritt, den Glauben an die ständige System- und Selbstoptimierung und das uneingeschränkte Vertrauen in die Technologien der Zukunft. 

Die Installation besteht aus zwei zweckentfremdeten, mit Piktogrammen versehenen Würfelhockern, die als Requisiten einer im Ausstellungsraum aufgeführten Performance dienen. Roger Bonjour, Hauptprotagonist und Interpret der Performance, erscheint während der Ausstellungszeit zu vier angekündigten Terminen im Museum. Er hält eine choreographierte Rede über die emotionalen Folgen leistungsfördernder Optimierungsmassnahmen und ruft zum kollektiven Widerstand gegen strukturelle Gewalt auf.

Gabriel Studerus & Julia Geröcs: Wie kommt man zur Kunst.

2018

Ausstellungsansicht, «Auswahl17», Aargauer Kunsthaus; Video: 12.50 Min., Farbe, stereo; Tonei in Haubenvitrine; Zeitdokumente: Fotografien, Interview mit Hermann Haller, Postkarten aus dem Jahr 1939

Die Installation «Wie kommt man zur Kunst» ist ursprünglich auf die Anfrage des Ateliers Hermann Haller als Beitrag zur temporären Gruppenausstellung «Bewegte Körper» entstanden. Im Atelier sind die Skulpturen des bekannten Schweizer Bildhauers bis heute in ihrer ursprünglichen Umgebung zu betrachten. Durch ein Video sowie fiktive und tatsächliche Zeitdokumente inszeniert die Installation eine historische Ausstellung. Das Video – im Kleide eines 8mm-Films – bildet das Kernstück der Installation, in der die fiktive Journalistin Doris Borngräber mit Hermann Haller in einen persönlichen Dialog tritt. Eine Auseinandersetzung wird zwischen dem romantischen, in sich geschlossene Welt- und Frauenbild des Bildhauers und dem offenen, emanzipierten Lebensbegriff einer jungen Frau und werdenden Mutter vor Augen geführt. Hallers Ideal des Schönen und Heilen prallt auf Borngräbers Vorstellung, dass auch das Widersprüchliche, Komplexe und Hässliche des Lebens in der Kunst seinen Platz haben muss. Dabei geht es immer auch um die Frage, welche Rolle Kunst in der Gesellschaft spielt und wie sich KünstlerInnen positionieren.

Die Darstellung von Hallers Persönlichkeit gründet auf einem in der NZZ im Jahr 1950 veröffentlichten Essay des Bildhauers. Dennoch ist sie eine Interpretation von Hallers Gedankenwelt und wird als Prototyp eines Künstlerbildes verwendet, welches einen Diskurs über den Drang nach Verewigung, über das Verhältnis zum weiblichen Geschlecht als Sinnbild des Schönen und der Schöpfung sowie über die Funktion der Kunst in der Gesellschaft möglich macht. Die fiktiven und tatsächlichen Dokumente dienen dazu, die erschaffene Realität und ihre Glaubwürdigkeit zu stärken und das Kernstück der Installation, das Video, thematisch wie historisch einzubetten.

 

 

 

Julia Geröcs

info@juliageroecs.com

Design | Matyas Geröcs