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Como un río. No puedes dividirlo

2017

32 min

Das Projekt «Como un río. No puedes dividirlo» («Wie ein Fluss. Du kannst ihn nicht teilen») entstand infolge einer sechsmonatigen Recherche in Mexiko-Stadt zur Frage der kulturellen Identität. Die ursprünglich für eine live Performance konzipierte Arbeit wurde in Juni 2016 in der Kolonialvilla Casa Maauad präsentiert und auf Video aufgezeichnet. Ausgehend dem gedrehten Filmmaterial wurde anschliessend in Zusammenarbeit mit Gabriel Studerus (Filmregisseur) eine 1-Kanal-Videoinstallation erstellt. 

Anhand des Beispiels von Mexiko wird in der Arbeit untersucht, wie Identitäten in einer, durch die Kolonialisierung geprägten, heterogenen Gesellschaft gebildet werden. Das Projekt thematisiert den Annäherungsprozess zur fremden Kultur aus einer europäischen Perspektive. Dabei bilden Missverständnisse, Fehleinschätzungen und Projektionen einen wichtigen Teil der Auseinandersetzung. Durch eine lose Reihe von Monologen, Dialogen und gesichtslosen Statements werden Fragen verhandelt, die eine westlich orientierte Denkweise repräsentieren: Wer gilt als Ureinwohner? Wer als Kolonialist? Welche Identität folgt aus der Selbstdefinition als Mestize? Wieso ist in Mexiko die christliche Identität von existenzieller Bedeutung? Wozu dient die Identifikation mit den Verstorbenen? Der Text beruht auf zahlreichen Interviews, sowie auf persönlichen Gesprächen und Erlebnissen. Die Inszenierung wurde in Zusammenarbeit mit Bernardo Gamboa (Theaterregisseur/Dramaturg/Schauspieler) und Meraqui Pradis (Schauspielerin) erarbeitet.

Das Exchange Programm

2015

30 min

Die Videoarbeit erzählt in satirischer Form die Geschichte eines Austauschprojektes: Vier westeuropäische Frauen reisen im Anschluss an ein Hochschulseminar in eine von Mönchen geführte ostasiatische Kunstschule um den dortigen Schülern durch Workshops die Grundsätze der westeuropäischen zeitgenössischen Kunst zu vermitteln. Obschon der gegenseitige Gedanken- austausch aufgrund der kulturellen Unterschiede scheitert, werden die Begegnungen mit den jungen Männern zunehmend intim. Das Austauschprogramm endet mit einer nächtlichen Party in einer Bar. Diese Geschichte wird in zwanzig kurzen Episoden in der Ich-Form vorgetragen. Die vier Protagonistinnen berichten über ihre Erfahrungen mit den Schülern und reflektieren ihr eigenes Verhalten angesichts der kulturellen Differenz. 

Mit der gewählten Inszenierungsform soll die Grenze zwischen Dokumentarfilm und fiktionalem Kurzfilm ausgelotet werden. Drei der vier Protagonistinnen sind Schauspielerinnen - Sabrina Tannen, Nina Bernhard Hesse, Michèle Breu -, die ihre Geschichten in einer eintrainierten Choreographie erzählen. Die vierte Protagonistin - die Künstlerin selbst - erscheint im Film nur mit ihrer Stimme und und ihren von oben gefilmten Händen, während sie an einer aus ostasiatischen Motiven zusammengesetzten grafischen Figur arbeite.

Kakologie

2014

30 min

Leitmotiv der «Kakologie» ist ein fiktiver Dialog mit dem tschechischen Schriftsteller Milan Kundera über den Kitsch und dessen existenzielle Bedeutung. Der Autor hat in seinem 1984 erschienenen systemkritischen Roman «Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins» die folgende These aufgestellt: «Kitsch ist die absolute Verneinung der Scheisse; im wörtlichen wie im übertragenen Sinne: Kitsch schliesst alles aus seinem Blickwinkel aus, was an der menschlichen Existenz im wesentlichen unannehmbar ist.» Ich lasse Kundera in der Performance als Klappmaul-Puppe auftreten – geformt aus einem über seinen Roman gewickelten grossen, braunen Stoff – und führe mit ihm eine Diskussion als Puppenspiel. Die durch Kundera gesprochenen Sätze sind Originalzitate aus dem Buch. Die Dialogszenen wechseln sich in der Performance mit der Erzählung von Kurzgeschichten ab – Geschichten über die Pflege einer querschnittsgelähmten Frau und einen Besuch in einem Hospiz. In diesen kurzen Erzählungen stecken die Protagonisten «im wörtlichen wie im übertragenen Sinne» in der Scheisse, versuchen aber, ihren Schwierigkeiten durch den Kitsch zu entkommen. Dadurch taucht die Frage auf, ob Kitsch ein zu bekämpfendes Phänomen oder eine Notwendigkeit ist. Die Requisiten benutze ich in der Performance als bildhafte, inszenatorische Mittel der Erzählung. Durch meine Interaktion verwandelt sich z.B. das Mikrofonkabel in einen Katheter, der braune Stoff in ein Stück Fleischkäse etc.

Julia Geröcs

info@juliageroecs.com

Design | Matyas Geröcs